Veranstaltungstipp: The Sisters Three – das Leben der Schwestern Brontë

Heute einmal ein Tipp, der ein wenig abseits der üblichen hier beackerten Themen angesiedelt ist: Die Uraufführung des Theaterstücks “The Sisters Three – das Leben der Schwestern Brontë” am 26. Jänner im Posthof, Linz. Es stammt von  Daniela Dett und Nora Dirisamer, Regie führt Joachim Rathke, die Musik ist von Willy Hackl, für Raum, Projektionen und Kostüme zeichnet Renate Schüler verantwortlich. Und es spielen Katharina Aigus, Daniela Dett und Nora Dirisamer.

Und worum geht’s?

ZUM STÜCK

Charlotte, die älteste der Schwestern Brontë, setzt sich nach dem Tod ihrer beiden Jüngeren – Anne und Emily – mit der Vergangenheit auseinander. Manchmal bewusst, manchmal unfreiwillig, durchlebt und erfühlt sie Momente und Situationen aus der gemeinsamen Zeit.

Erinnerungen an den monotonen Alltag, an die Schulzeit, an Emilys unermessliches Heimweh im Brüsseler Internat. An die tapfere Anne, die ihren Posten als Gouvernante hasst. Erinnerungen an ihren talentierten, aber lebensunfähigen Bruder Branwell, seine Alkoholexzesse. Erinnerungen an das gemeinsame Erfinden, ans Schreiben, an Krankheit, Sehnsüchte und Träume.

Das Stück „The Sisters Three“, von Daniela Dett und Nora Dirisamer verfasst, erzählt auf ungewöhnliche Art und Weise über das Leben der drei bekannten englischen Schriftstellerinnen, das seinen Ausgang in einem Pfarrhaus in Haworth (Yorkshire) nimmt, inmitten von Grabsteinen, der Tod immer präsent.

Der Vater, Reverend Brontë, ein viel beschäftigter Mann, glänzt durch Abwesenheit, die Mutter ist tot, gesellschaftlicher Kontakt findet nur äußerst selten statt – es mangelt an emotionaler Wärme. Politisch und sozial befindet sich das Land in einem Umbruch, die Industrialisierung ist Nährboden für Revolten und Aufstände. Frauen sind in ihren Rechten eingeschränkt, haben dem gängigen Idealbild zu entsprechen: Ehefrau,Hausfrau und Mutter. Wenn sie einen Beruf ausüben, dann den einer Lehrerin oder Gouvernante. Ihre künstlerischen und intellektuellen Ambitionen werden nicht ernst genommen.

Die einzige Fluchtmöglichkeit aus dieser Realität ist für die drei wissbegierigen und literaturbegeisterten Schwestern ihre grenzenlose Phantasiewelt: Sie schreiben Tagebücher, erschaffen fiktive Königreiche und Welten, erfinden Zeitungen und Magazine und bringen alles zu Papier. Emily fängt als Erste an, heimlich Gedichte zu schreiben. Nachdem Charlotte und Anne, die sich neben Prosa inzwischen auch in Lyrik versuchen ihr Geheimnis lüften, beschließt man einen gemeinsamen Versband herauszubringen – jedoch völlig erfolglos. Es werden nur zwei von 1000 gedruckten Exemplaren verkauft.

Was die Veröffentlichung ihrer Werke betrifft, entschließen sich die Schwestern zur einzig möglichen Vorgehensweise: Das Publizieren unter männlichen Pseudonymen. Ihre Romane wurden zu Welterfolge der Literaturgeschichte.

„Was wohl sein wird, wenn wir vierzig Jahre älter sind?“ haben sich Emily und Anne in ihren ersten Tagebucheintragungen gefragt. Sie werden es nie erleben. Alle drei Brontë-Schwestern sind jung gestorben. Lebendig blieb das, was sie schrieben.
Das ist 150 Jahre her und würde heute niemand mehr interessieren, wären nicht diese Pfarrerstöchter – Charlotte, Emily und Anne Brontë – als Schriftstellerinnen weltberühmt geworden.

KONZEPT und INSZENIERUNG

An den Schwestern Brontë fasziniert neben ihrer literarischen Begabung vor allem ihr Leben als eigenständig – kreative Frauen, die sich dem gängigen Idealbild ihrer Zeit nicht fügen wollten und versuchten, ihren eigenen Weg zu gehen – allen widrigen äußeren Umständen zum Trotz. In einem männlich dominierten, stark von religiösen Ansichten geprägten sozialen Umfeld erträumten sie sich parallele Phantasiewelten. Sie schufen sich ihre eigene Realität, in der sie frei, stark und ganz sie selbst sein konnten und durften.

Hier stellte sich uns die Frage, in wie weit sich in dieser Fluchttendenz auch Realitätsverleugnung, also bewusstes Abtauchen und sich Entziehen Thema war.
Kurz: War die unbändige Phantasie dieser drei Frauen ihr einziger Ausweg oder letztlich sogar ihr eigentlicher Untergang. Denn die Vorreiterinnen in Sachen Emanzipation, als die sie nicht zuletzt wegen ihrer Roman-Inhalte oft bezeichnet werden, lebten ein einsames, zurückgezogenes Leben und feierten ihre literarischen Erfolge unerkannt hinter männlichen Pseudonymen. Streitbar waren sie hauptsächlich in ihren fiktiven Welten, in der realen aber schienen sie den Fesseln der Konventionen nicht entkommen zu können.

Wir entschieden uns beim Schreiben des Stückes bewusst für eine subjektive Auswahl an Ereignissen, die wie als Erinnerungsbruchstücke Charlottes zu einer Art Memory-Kaleidoskop verwoben haben.
Mit starken Bildern, die Stimmungen und Zustände wie unter einem Brennglas beobachtet zeigen, sollen die Zuschauer in die Erlebniswelt der Schwestern eintauchen können. Die verwendeten Texte sind fast ausschliesslich aus den Federn der Schwestern (Tagebücher, Briefe, Roman – & Gedichtzitate), um ihre Sprachwelten nicht zu verfälschen. Die Visuals und Video-Atmosphären von Renate Schuler ermöglichen zusätzlich Assoziationen und bilden mit der Musik von Willy Hackl die Brücken zwischen den Erinnerungs-Bausteinen. Aus einem Meer der Vergangenheit und aus der See der Seele tauchen Bilder auf, verblassen, fesseln, verstören, betreffen, erheitern.

Unser Ziel: Eintauchen in die Welt der Schwestern Brontë, sich mit treiben lassen und ihre Spuren im Sand der Geschichte erahnen.

Uraufführung ist am 26. Jänner um 20 Uhr, Posthof  Linz. Weitere Termine: 28., 30. und 31. Jänner 2012.